Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Ebernburger Tagebuch 2009

Zusammenfassung„Tagebuch Künstlerbahnhof Ebernburg – Betrachtung zum Raum“, vom 1.10. bis 26.11.2009

Das „Tagebuch. Künstlerbahnhof Ebernburg. – Betrachtung zum Raum“, vom 1.10. bis 26.11.2009, habe ich  täglich während meiner Stipendiatenzeit im Künstlerbahn Ebernburg geführt und öffentlich gemacht. wie: Temperatur, Feuchtigkeit, Hell-Dunkel, Größe, Form. Zum anderen waren imaginäre Räume für mich von Interesse, die sich mir in Beziehungsräumen zeigten wie: Nähe/ Distanz, Begrenzung,  Loslassens-Binden.
Das Tagebuch umfasst insgesamt 74 mit Bleistift beschriebene DIN 4 Seiten sowie eine DIN 3 Seite. Die täglich wachsende Installation wurde im Künstlerbahnhof Ebernburg an der Wand, horizontal, Stoß auf Stoß angebracht. Die Gesamtheit dieser Tagebuchblätter reicht am Ende des Stipendiums beinahe einmal um den ganzen Raum. Fotos und Zeichnungen, die während der Zeit entstanden und in chronologischer Folge über und unter die Tagebuchblätter angebracht waren, ergänzten diese Installation.

Berlin, 2009


Schrift zum Nahetalal, Bad Münster am Stein, Künstlerbahnhof Ebernburg

Meine Augen tasten an Bergen entlang, Tag um Tag, seit ich im Nahetal in Bad Münster am Stein Ebernburg bin. An manchen Tagen, wenn der Herbst sich mir sehr freundlich zeigt, fahre ich mit dem  Rad gern hinaus.  Ich komme fahrend  vor allem der Geschwindigkeit des Windes gedacht näher und kann nun, auch gedacht, das vom Wind aufgehobene Laub berühren.
Weil das vom Wind aufgehobene  Laub in Bewegung ist, und ich ja auch mit dem Rad bewegt bin, ändern sich meine Bezugspunkte dabei ständig. Ich stelle fest: Oben ist nicht nur oben, sondern auch mal richtig über mir. Aber von unten nach oben male ich nicht. Das gibt Doppelkinne, auch bei Laub. Glauben sie mir das.
Zudem weigere ich mich einen profanen Herbst zu malen, selbst dann nicht, wenn er mir über alle Maßen gefällt. Es geht nicht. Auch Marinelandschaften gehen nicht. Aber das ist ja nicht die Frage. Ein Meer gibt es hier nicht. Also, was sehe ich in dem Nahetal, was geht zu malen?
Wie sie und ich wissen, male ich Menschen von oben. Gern regional-typisch, immer aber von oben. Einem Fährmann habe ich aufgelauert und ihn auf Papier gebannt. Am Ende bleibt allein seine „vereiste“ Bewegung erhalten. Geht das? Ich weiß nicht. Es gibt kein Boot, kein Wasser, kein Stahlseil an dem er die Last zum anderen Ufer zieht. Wie viel davon brauchen sie zum Sehen? Denn Landschaft rechts und links ist nicht, nur diese schlichte, zentrumslose Bildfläche.
Reicht das schon, ist das ein Nahetal Bild? Das wäre gedacht zumindest mein Auftrag:  Das  Malen, was hier ist. Darum bin ich gekommen. Sonst brauchte ich nicht so da zu sein.
Was sie wissen sollten: Ich beginne jedes Bild wieder bei Null, als „wüsste“ ich nicht, wie es geht. Die Erfahrung, die ich bei den vorigen Arbeiten  gemacht habe, reicht nur bis zum Erkennen der Farbtuben, der Pinsel und des Leinens. Alles andere muss erarbeitet werden. Es gibt keine Routine wie beim Radfahren, das ich einfach tue.
Es ist eher wie Gebären. Ja, das kommt hin, gedacht natürlich.
Wenn sie also mal eine Frau irgendwo sehen, mag sein, dass sie den Bauch vorstreckt, die Beine im Spagat stehen hat, fragen sie sie nicht, was sie da macht. Treten sie an sie heran, hören sie, wie sie auf das weiße Leinen, das ein Bild dann ist, ausatmet. Einfach nur ausatmet. Bieten sie ihr einen Stuhl an oder etwas zu trinken und betrachten sie ihr Bild.

Bad Münster am Stein Ebernburg 2009



Vervollständig eines Gruppenbilds-zu und andere