Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Grenzgänger 2013/14

Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts "Grenzgänger", mit dem Verein Berliner Künstler und dem Aachener Atelierhaus AHA, ist meine Installation "Der dritte Raum" 2013 entstanden.

Der Stellvertreter meines "Grenzgängers" ist der Künstler in unserer Gesellschaft. Ich habe mich dabei unterschiedlichster Mittel bedient. 

Allen voran, dem unfertigen Selbstbildnis des Künstlers in –  Die dritte Person  (Eitempera auf LW, 230*180 cm) – das einmal als Großformat den Mittelpunkt der Installation bildet.  Die vier Kleinformate auf dem Regalbrett links, von denen sich nur eines dem Betrachter zuwendet, stehen stellvertretend für die gesamte bildkünstlerische Auseinandersetzung mit dem eigenem Selbstbild, die der großformatigen Arbeit voraus gingen.
In meiner Installation nenne ich sie Die Helfer (Sichtbares Bild: Die Möglichkeiten in meinem Leben verdoppeln sich mit dem Glauben daran!" 2013, Eitempera/Öl auf LW 80*60 cm).

Im Weiteren besteht die Installation aus Die Begleiter (bedrucktes, ausgeschnittenes, geklebtes Papier an Holzstäbe, 6 mm Ø, und Styroporblock/40*90 cm), einer Anhäufung von Papierfiguren, die zum Teil an Holzstäben in der Luft schweben oder im Styroporblock stecken. Es handelt sich hierbei um Abbildungen meist populärer Künstler verschiedener Sparten, die mich durch ihre Arbeit oder/ und ihrer Haltung zum Leben berührten. Ohne einen direkten Hinweis darauf, finden sich jedoch auch die unter  ihnen, vor denen es mich im Grunde graut. Destotrotz beeinflussen mich alle „Begleiter“,  jeder auf seine Weise in meiner künstlerischen Ausrichtung.

Die Verbindung, eine bemalte gelbe Fläche aus zwei Pappen  auf  MDF-Platte aufgezogen, ist ganz ihrer Bezeichnung nach eine Verbindung zwischen dem  „Künstler“ und seinen „Begleitern“. Sie steht stellvertretend für den  Einfluss der Umwelt auf das Individuum.

Die Kugel: Fragen an den Künstler und Antworten an den Künstler (Objekt aus Styroporkugelhälften auf dem Boden liegend und innen mit Text beschrieben) ist eine Heraushebung der Begegnung von Künstler und Betrachter. Weiter geführt wird diese Arbeit in dem dazu erschienen Arbeitsjournal "Das Künstler", in dem 100 Fragen an den Künstler in einer Textsammlung zitiert werden, wie zum Beispiel:  „Können Sie davon leben? Wieso hat die Frau nur ein Bein? Was halten Sie von dem und dem?

Mit Die Ermunterer ist eine Ansammlung von Fürsprachen an den Künstler aus bisher drei vorangegangenen Ausstellungen  mit dieser Thematik. In jeder dieser Ausstellungen  werden vom Publikum neue „Ermunterungen“ geschrieben und frei im Raum von ihnen installiert. Diese gehen in den Besitz der Künstlerin über und werden der Sammlung hinzugefügt.
Die "Meinungsbilder" zum Thema „Künstler“ sind unterschiedlich. Manchmal beziehen sie sich auf den Künstler selbst, wie in: „Künstler sind feinsinnig. Das mag ich besonders an dir.“ Oder sie drücken sich allgemein aus, wie in: „Ohne Kunst geht es auch, aber es ist sinnlos!“

Das Arbeitsjournal 1 Das Künstler (Abbildungen und Texte auf 32 Seiten, DIN 4, 2013)  umfasst Gedanken zu dem Thema, die nicht gemalt und nicht gezeichnet wurden und es weitestgehend auch  nicht werden. 
Am Anfang des Journals steht die Frage, warum ich so geworden bin, wie ich bin.
Neben  „Ermunterungen für den Künstler“ von Ausstellungsbesucher sind auch  alle „Fragen an den Künstler“ wörtlich wiedergeben. Abschließend wird der noch immer anhaltende Erfolg der US-amerikanischen Künstlerin Barbra Streisand von mir genauer betrachtet und in Beziehung zum Wert von Arbeit und dem Wert von Kunst aus meiner Sicht gesetzt.
(Das Journal ist über Kontakt andrea@a-streit.de auch zu bestellen)

Textprobe aus „Das Künstler, Arbeitsjournal 1“, 2013
„Künstlerbiografie
Warum ich so geworden bin

Ich wuchs in einer Kleinstadt nahe der hessischen Grenze auf. Meine Kindheit verbrachte ich unbesorgt, bis eines Tages zwei Männer in grauen Anzügen an unserer Wohnungstür klingelten und um Eintritt baten. Meine Mutter führte sie ins Wohnzimmer, wo sie sich wortlos an den Sofatisch setzte und die Tischdecke glatt strich. Die Männer blickten sich im Zimmer um und blieben mit ihren Augen an meiner Schwester hängen. Sie deuteten ihr mit einem Kopfnicken an, sie solle mit ihnen gehen. Die Schwester stand auf und, ohne einen Blick und ein Wort an uns, ging sie aus dem Zimmer. Ich wartete bis die Schritte sich ganz entfernt hatten und stellte mich ans Fenster. Meine Schwester und die Männer verließen das Haus und liefen über die Straße zu einem Krankenwagenauto, das in zweiter Reihe stand. Die Hintertür öffnete sich, meine Schwester stieg ein. Die Männer verschwanden in der Fahrerkabine. Kurz danach fuhr der Wagen Richtung Osten weg. Ich blieb lange am Fenster stehen. Auch am Abend und am Tag danach und am Abend und die Tage und Abende danach stand ich am Fenster, sprach nicht. Sah nach dem Krankenwagen. Es kam keiner. Auch kein gewöhnlicher. An diesem Tag begann ich damit, alles, was ich sah zu notieren. Ich schrieb auf, wer wann wohin ging, fuhr. Kennzeichen von Autos notierte ich. Über das Wetter und auch über die Straßenverhältnisse führte ich Buch. Zunehmend machte ich auch Skizzen zu meinen Beobachtungen, die mit der Zeit immer ausführlicher und wichtiger für mich wurden. Eines Tages schrieb ich gar nicht mehr, sondern zeichnete nur noch. Meine Mutter beobachtete mein Tun, aber sie sagte nichts.
Später, ich wohnte längst nicht mehr Zuhause, stand ich wieder am Fenster meiner Mutter und zeichnete als ein Krankenwagen auf der anderen Straßenseite in zweiter Reihe hielt…“
 
 
 
 
 

 



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