Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Landvermessung 2010-09

Im Oktober und November 2009 inspirierte mich ein Stipendiumsaufenthalt in Bad Münster am Stein Ebernburg zu diesen Arbeiten. Die Landschaft des Nahetals und ihre Menschen haben mich sehr verzaubert. Der Zauber ging sogar soweit, dass ich mir erstmals vorstellen konnte, eine Stadt wie Berlin zu verlassen, um an diesem Ort zu leben. Nun bin ich immer noch in Berlin, aber manchmal gehe ich in meinen Träumen einen Berg hinauf und halte Ausschau nach den Prinzessinnen und Prinzen, die ich hinter den Bergen dort vermutete.
Neben den Bildern und Zeichnungen entstand auch das öffentliche „Ebernburger Tagebuch“, das die Welt meiner Bilder ergänzt.

Das „Tagebuch Künstlerbahnhof Ebernburg – Betrachtung zum Raum“, vom 1. 10. bis 26. 11. 2009, habe ich täglich während meiner Stipendiatenzeit im Künstlerbahnhof Ebernburg geführt und öffentlich gemacht.
In diesem Buch beschäftigte ich mich ausschließlich mit Fragen zum Raum. In ihm geht es sowohl um reale, dreidimensionale wie um imaginäre Raumbilder. Während ich einen absoluten, leeren Raum zu besetzen hatte, gab es die Fragestellung, wie viel Raum ich faktisch zum Leben (übersteigert) benötigte. Dieser Raum bemaß sich sowohl an den vorhandenen Gegebenheiten der Innen- und Außenräume wie: Temperatur, Feuchtigkeit, Hell-Dunkel, Größe, Form. Zum anderen waren imaginäre Räume für mich von Interesse, die sich mir in Beziehungsräumen zeigten wie: Nähe / Distanz, Begrenzung, Loslassen / Binden.
Das Tagebuch umfasst insgesamt 74 mit Bleistift beschriebene DIN A4 Seiten sowie eine DIN A3 Seite. Die täglich wachsende Installation wurde im Künstlerbahnhof Ebenburg an der Wand, horizontal, Stoß auf Stoß angebracht. Die Gesamtheit dieser Tagebuchblätter reichte am Ende des Stipendiums beinahe einmal um den ganzen Raum. Fotos und Zeichnungen, die während der Zeit entstanden und in chronologischer Folge über und unter den Tagebuchblättern angebracht waren, ergänzten diese Installation.
In den folgenden Jahren habe ich das Tagebuch zusammen mit Malereien und Zeichnungen, die zu dem Arbeitsthema rund um den Stipendiatenaufenthalt Ebernburg entstanden sind, bereits an drei Orten präsentieren können. 2010 Museum Eisenhüttenstadt, Eisenhüttenstadt, sowie in meinem Berliner Atelier (mit Lesung aus dem Buch) und 2011 in der Temporären Kunsthalle des vdek, Berlin. Das Tagebuch und seine Anordnung rekonstruierte dabei gewissermaßen den Atelier- und Ausstellungsraum meines Gastaufenthalts im Künstlerbanhhof 2009. Den Raumecken, die selbstverständlich nicht mit der Raumstruktur an den neuen Standorten übereinstimmen, fügte ich bei jeder Präsentation des Tagebuchs neue zusätzliche Seiten ein, so dass sich der Bericht von 2009 mit den heutigen Eindrücken stets vermengt.  



Vervollständig eines Gruppenbilds-zu und andere