Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Zuwanderer 2016

Vor 160 000 Jahren sind nachweislich die ersten Menschen von Afrika in den Nahen Osten und nach Australien ausgewandert. Die Gründe dafür waren Klimaver-änderungen mit zunehmenden Dürren und stetigem Bevölkerungszuwachs. Dazu kamen Seuchen und soziale Konflikte.
Bis heute ist der Strom von Auswanderern nicht abgebrochen. Jedoch, insofern man nicht direkt davon betroffen ist, bleibt der zugewanderte Mensch anonym. Wir nehmen ihn als Zahl auf einem Stück Papier wahr, wenn überhaupt.
Aber was macht er eigentlich genau, wenn er zu uns kommt? Ich werde es visualisieren. - Ich komme als Zuwanderer! - Aber ich bin nicht irgendein Zuwanderer, ich habe einen festen Willen, ich will es mir und den nachkommenden „hübsch machen und beste Bedingungen für das Weiterleben schaffen".

In meinem Gepäck führe ich nur leichtes Gepäck mit mir. Um dass mir zur Probe überlassende Land im Kölner "Odonien" urban machen zu können, werde ich auf Leihgaben und Geschenke der hiesigen Bevölkerung angewiesen sein.  Meine eigenen Mittel beschränken sich auf die Arbeitskraft, ein kleines Frühstück, eine warme Mahlzeit am Abend, vorzugsweise beim Thai sowie ein Getränk. Tagsüber trinke ich stilles Wasser.

Ich lege Beete an. Richte mir ein Lager, eine Feuerstelle.  Zudem entnehme ich so früh als möglich einige Bodenproben, damit ich später keine Überraschung erfahre.

In den "Pausen" schreibe ich auf geschenkten Kassenpapierrollen das auf, was nicht so gesagt würde.
"Wieder und wieder kommen Passanten. Sie quatschen mich an. - Hoffnungsvoll, aber nach dem ich mich als „Zuwanderer“ zu erkennen gebe, zerfällt manchem das Freundliche im Gesicht. Sie haben es plötzlich eilig. Sehen in der Entfernung, die Rettung für sich. Ich getraue mir den einen und den anderen zum Kaffee trinken in den „Pascha“ zu empfehlen. Sie lehnen ab und kriegen einen roten Ton im Gesicht, vor allem die Männer. Nein, so was aber auch. Da geht man doch nicht hin!
Mit dem Bett, meinem Lager komme ich schwer voran. Die Äste der Büsche sind dick. Ich muss wieder mit der Spitzhacke ran. Wenn sie auf den Boden aufschlägt, wirbelt Erde auf. So manches Mal schlucke ich dabei Dreck.- Zu tief zum Boden gebeugt, Pech!
Ich gehe Reisig suchen. Zuvor hatte ich an einer abseitigen Stelle, nicht allzu weit von mir, einige Bündel am Wegesrand gesehen. Nun sind sie weg geklaubt. Eine Frau hat sich nahe der Fundstelle ein Lager davon gebaut. Es ist unverschämt groß. Ich weiß nicht, wie viel Mann und Balg darin unterkommen sollen? Ich frage sie, ob nicht ein paar „Zweige“ von ihrem Lager abzunehmen sind? „Nein!“, antwortet sie, es seien doch selbst ihr noch nicht genug dafür. Aber wenn sie nächst wieder in den Wald Reisig sammeln gehe, will sie, so ihr Versprechen, ein paar  mehr Zweige für mich mitbringen. - Eben das, was auf ihrem Rücken noch Platz hat. Ich bedanke mich höflichst für den guten Willen und trete ab.  Da kommt mir ein Mann, jung und kräftig mit Schubkarre entgegen. In der Karre fährt er Pappen und Kartons. Ich spreche ihn an, ob er seine Ladung noch brauche? Er verneint und schüttelt kurzum die Fuhre vor meine Füße aus. Ermutigt von seinem Entgegenkommen, frage ich auch nach seinen Karren, ob er sie mir leihen kann. - Nur einen kurzen Moment lang freilich und ich würde sie ihm sobald als möglich zurück bringen. Er ist einverstanden, willigt ein. So ziehe ich mit dem Karren und den Kartons ab. Im Gesicht ein Strahlen.
Auch mit den Kartons wird es ein hartes Lager werden. Zum Schutz vor Kälte habe ich nur was in meinem Rucksack ist. Eine Decke gibt es jedenfalls nicht. ..."



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